Die Kernthese: Wer wissen will, wie der E-Gebrauchtmarkt in drei Jahren aussieht, muss keine Prognosen lesen, ein Blick in die aktuellen KBA-Zulassungsreihen genügt. Neuzulassungen sind der Rohstoff des Gebrauchtmarkts, mit bekannter Reifezeit.
Die Mechanik: Zulassung heute, Angebot übermorgen
Zwei Merkmale der E-Zulassungsstatistik verdienen dabei mehr Aufmerksamkeit als die Schlagzeilen-Prozentzahl. Erstens die Haltergruppe: Elektrofahrzeuge werden überdurchschnittlich oft gewerblich zugelassen, Firmenwagen, Flotten, Leasing. Gewerbliche Fahrzeuge kommen nach typischen Vertragslaufzeiten von 36 bis 48 Monaten gebündelt zurück auf den Markt. Ein starkes gewerbliches E-Zulassungsjahr ist also die Ankündigung einer Rückläuferwelle mit drei bis vier Jahren Vorlauf, inklusive des Preisdrucks, den solche Wellen im betroffenen Segment auslösen.
Zweitens die Modellkonzentration. Die E-Neuzulassungen verteilen sich auf deutlich weniger Modellreihen als beim Verbrenner; wenige Volumenmodelle stellen einen Großteil des Marktes. Für den Gebrauchtmarkt heißt das: viel Auswahl und harter Preiswettbewerb bei den Volumenmodellen, dünnes Angebot und stabile Preise bei allem daneben. Wer ein Nischenmodell sucht, wartet auf ein Angebot, das kaum kommt, hier bleibt der Import die realistischere Route.
Die Strategie für Käufer
Aus beidem folgt eine simple, aber wirksame Kaufregel: Suchen Sie das Modell mit hoher gewerblicher Zulassungsquote, und kaufen Sie es rund drei Jahre nach seinem stärksten Neuwagenjahr, dann trifft das größte Angebot auf die beste Verhandlungsposition. Gepflegte Leasingrückläufer mit Scheckheft und einem dokumentierten Batteriezustand sind der Idealfall des E-Gebrauchtkaufs. Wie gut diese Rechnung aufgehen kann, zeigt derzeit der Kia EV6, dessen erste Leasingjahrgänge das Angebot spürbar verbreitert haben.
Die Kehrseite derselben Statistik betrifft Verkäufer: Wer sein E-Fahrzeug abgeben will, sollte den Rückläuferkalender seines Modells kennen und nicht mitten in die Welle hinein verkaufen. Drei Monate vor oder nach dem großen Leasing-Rücklauf desselben Modelljahres können beim Verkaufspreis mehrere hundert Euro ausmachen, dieselbe Mechanik, nur von der anderen Seite betrachtet.
Die Marktnotiz zum Mitnehmen: Zulassungsstatistiken lesen sich trocken, aber sie sind das einzige Prognosewerkzeug im Automarkt, das sein Eintreffen gleich mitliefert. Die Fahrzeuge existieren ja schon, sie sind nur noch nicht bei ihrem zweiten Besitzer angekommen.


