Was kostet der Import eines Autos aus Südkorea? Rechnen Sie 2026 mit 4.500 bis 8.000 Euro an Nebenkosten zusätzlich zum Kaufpreis: Seefracht ab etwa 1.250 Euro, 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer, null bis zehn Prozent Zoll je nach Präferenznachweis, dazu Gutachten und Zulassung. Der gesamte Ablauf dauert acht bis zwölf Wochen.

Der Reihe nach. Südkorea ist als Beschaffungsmarkt attraktiver, als viele denken: Der Gebrauchtwagenmarkt ist groß, die Fahrzeughistorien sind über staatliche Register gut dokumentiert, und es gibt Modelle und Ausstattungslinien, die es in Europa schlicht nicht gibt. Gleichzeitig ist der Import kein Selbstläufer, wer die Nebenkosten unterschätzt oder den Präferenznachweis vergisst, verliert den kompletten Preisvorteil an den Zoll.

Der Ablauf in sechs Schritten

Ein Korea-Import folgt immer derselben Kette: Fahrzeug finden und kaufen, in Korea abmelden und exportfertig machen, verschiffen, in Deutschland verzollen, begutachten lassen, zulassen. Jeder Schritt hat einen Verantwortlichen und einen Preis, und genau daran scheitern Erstimporteure am häufigsten: Sie kennen den Kaufpreis, aber nicht die Kette dahinter.

Beim Kauf läuft in Korea fast alles über Plattformen wie Encar oder über Exportagenten. Der Agent prüft das Fahrzeug vor Ort, wickelt die Abmeldung ab und organisiert das Export-Zertifikat, dafür berechnet er üblicherweise 500 bis 1.000 Euro Provision. Das klingt nach einem verzichtbaren Posten. Ist es nicht: Ohne koreanische Sprachkenntnisse und ein Bankkonto vor Ort kommen Sie an die guten Angebote gar nicht erst heran.

Für die Verschiffung haben Sie zwei Optionen. RoRo (Roll-on/Roll-off) ist günstiger, das Fahrzeug wird auf ein Autotransportschiff gefahren, ab etwa 1.250 Euro von Busan nach Bremerhaven, Stand Anfang 2026. Im Container (allein oder geteilt) zahlen Sie 1.800 bis 2.600 Euro, das Fahrzeug ist dafür besser geschützt und kann Zubehör im Innenraum transportieren. Für Fahrzeuge über 40.000 Euro Warenwert würde ich immer den Container nehmen; bei einem 15.000-Euro-Gebrauchten ist RoRo die vernünftige Wahl.

Zoll und Einfuhrumsatzsteuer: die Rechnung des Staates

An der deutschen Grenze, genauer: beim Zollamt des Ankunftshafens, wird das Fahrzeug zur Überführung in den zollrechtlich freien Verkehr angemeldet. Die Anmeldung läuft elektronisch über ATLAS; die meisten Importeure lassen das einen Zolldeklaranten oder die Spedition erledigen (80 bis 200 Euro). Zwei Abgaben entscheiden über die Wirtschaftlichkeit:

Zoll: Der Drittlandszollsatz für Pkw (Warennummer 8703) beträgt 10 Prozent des Zollwerts. Dank des EU-Korea-Freihandelsabkommens sinkt er auf null, aber nur mit gültigem Präferenznachweis, also einer Ursprungserklärung des koreanischen Ausführers auf der Rechnung (bei Sendungswerten über 6.000 Euro nur durch einen ermächtigten Ausführer). Der Haken steckt im Detail: Bei privaten Gebrauchtwagenkäufen kann der Verkäufer diese Erklärung oft nicht abgeben, und dann kostet ein 20.000-Euro-Fahrzeug eben 2.000 Euro Zoll extra. Klären Sie den Nachweis vor dem Kauf, nicht am Hafen.

Einfuhrumsatzsteuer: Sie beträgt 19 Prozent und wird auf den Zollwert plus Fracht plus Zoll erhoben. Diese Bemessungsgrundlage übersehen viele Erstimporteure. Ein Rechenbeispiel weiter unten zeigt, was das konkret ausmacht.

Kostentabelle: Import eines Gebrauchtwagens für 18.000 Euro

Rechnen wir das einmal durch, am Beispiel eines drei Jahre alten SUV, Kaufpreis 18.000 Euro in Busan, Verschiffung per RoRo, mit gültigem Präferenznachweis (Zoll: 0 Prozent). Alle Werte Stand Januar 2026:

Kostenposition

Betrag

Anmerkung

Kaufpreis Fahrzeug

18.000 €

inkl. Agentenprüfung vor Ort

Exportagent Korea

800 €

Abmeldung, Exportzertifikat, Übersetzungen

Seefracht RoRo Busan–Bremerhaven

1.250 €

Container: 1.800–2.600 €

Transportversicherung

190 €

ca. 1 % des Fahrzeugwerts

Zoll (0 % mit Präferenznachweis)

0 €

ohne Nachweis: 1.944 € (10 %)

Einfuhrumsatzsteuer 19 %

3.694 €

auf Kaufpreis + Fracht + Zoll

Zolldeklarant / Abwicklung Hafen

180 €

ATLAS-Anmeldung, Standgeld 1 Woche

Begutachtung §21 StVZO inkl. Umrüstung

1.900 €

Scheinwerfer, ggf. Tacho, Gutachten

Zulassung, Kennzeichen, KBA-Gebühren

210 €

inkl. Datenbestätigung

Gesamtkosten

26.224 €

Nebenkosten: 8.224 € = 45,7 % des Kaufpreises

Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Die Einfuhrumsatzsteuer ist mit fast 3.700 Euro der größte Einzelposten, und für Privatpersonen endgültig verloren, während Unternehmer sie als Vorsteuer ziehen. Zweitens: Ohne Präferenznachweis kämen noch einmal knapp 2.000 Euro Zoll dazu, und die EUSt stiege mit, weil der Zoll in ihre Bemessungsgrundlage einfließt. Der Nachweis ist bei diesem Fahrzeug also gut 2.300 Euro wert.

Homologation: das unterschätzte Kapitel

Ein koreanisches Fahrzeug für den Heimatmarkt hat keine EU-Typgenehmigung und kein COC-Papier. Der Weg zur deutschen Zulassung führt dann über die Einzelbegutachtung nach §21 StVZO bei einem Technischen Dienst, TÜV, DEKRA oder GTÜ. Der Prüfer kontrolliert das komplette Fahrzeug gegen die europäischen Vorschriften, und typischerweise sind drei Punkte anzupassen: die Scheinwerfer (asymmetrisches Abblendlicht nach ECE), die Nebelschlussleuchte und gelegentlich die Tachoeinheit. Auf dem Papier klingt das nach Kleinkram, in der Praxis entscheidet die Ersatzteillage, ob Sie mit 800 Euro davonkommen oder bei 3.500 Euro landen.

Vor der Begutachtung brauchen Sie außerdem eine Datenbestätigung: Da kein deutscher Fahrzeugbrief existiert, bestätigt entweder der Hersteller oder das Kraftfahrt-Bundesamt die technischen Daten (Gebühr je nach Weg 40 bis 120 Euro, Stand 2026). Für Hyundai-, Kia- und Genesis-Modelle ist die Datenlage gut; bei koreanischen Kleinserien kann die Beschaffung Wochen dauern. Planen Sie diesen Schritt parallel zur Verschiffung, nicht danach, das spart einen Monat.

Fahrzeugauswahl: worauf Sie in Korea achten sollten

Der koreanische Gebrauchtwagenmarkt hat eine Eigenschaft, die deutschen Käufern entgegenkommt: Transparenz. Über das staatliche Register lassen sich Halterwechsel, Unfallschäden mit Versicherungsauszahlung und Kilometerstände nachvollziehen; seriöse Exportagenten legen diesen Auszug ungefragt vor. Verlangen Sie ihn trotzdem ausdrücklich, und lassen Sie zusätzlich einen Blick auf die Unterseite werfen. Koreanische Winter sind mild und Streusalz ist selten, aber Fahrzeuge aus Küstenregionen können Korrosion an Fahrwerksteilen zeigen.

Bei der Modellwahl gilt eine einfache Faustregel: Je näher das Fahrzeug an einer in der EU angebotenen Variante liegt, desto günstiger wird die Homologation. Ein Hyundai Palisade, in Deutschland nie offiziell verkauft, braucht mehr Anpassungsaufwand als ein Kia Sorento in koreanischer Topausstattung, dessen europäisches Schwestermodell dem Prüfer als Referenz dient. Und noch ein Punkt aus der Praxis: Prüfen Sie vor dem Kauf, ob Navigationssystem und Fahrzeugsoftware auf europäische Karten und Sprache umstellbar sind. Bei manchen koreanischen Infotainment-Versionen ist das nicht vorgesehen, und ein Navi, das ausschließlich Seoul kennt, hilft in Paderborn nur begrenzt.

Die drei häufigsten Fehler: und was sie kosten

Fehler eins: der fehlende Präferenznachweis. Wie oben gerechnet, kostet er bei einem 18.000-Euro-Fahrzeug rund 2.300 Euro. Die Ursprungserklärung muss vom Ausführer stammen und formal korrekt sein; eine formlose Bestätigung des Händlers reicht dem Zoll nicht. Klären Sie das schriftlich, bevor Geld fließt.

Fehler zwei: die Datenbestätigung zu spät beantragt. Wer erst nach Ankunft des Fahrzeugs beim Hersteller oder KBA anfragt, verliert je nach Modell zwei bis sechs Wochen, Zeit, in der das Fahrzeug unversichert und unzugelassen auf dem Hof steht. Parallel zur Verschiffung beantragen, dann liegt das Papier bei Ankunft vor.

Fehler drei: der Zeitwert bei der Versicherung. Manche Versicherer stufen Importfahrzeuge ohne deutsche Erstzulassung pauschal ungünstig ein oder verlangen ein Wertgutachten. Holen Sie vor dem Kauf zwei, drei Versicherungsangebote mit der koreanischen Fahrzeug-Identnummer ein. Das kostet eine Stunde und verhindert, dass die laufenden Kosten die Importersparnis auffressen.

Zeitplan und praktische Empfehlung

Von der Kaufentscheidung bis zum deutschen Kennzeichen vergehen realistisch acht bis zwölf Wochen: zwei Wochen Kauf und Exportabwicklung in Korea, fünf bis sieben Wochen Seefracht, ein bis drei Wochen Verzollung, Begutachtung und Zulassung. Wer das Fahrzeug vom Hafen zur Prüfstelle bewegen muss, nutzt ein Kurzzeitkennzeichen (rund 100 bis 130 Euro inklusive Versicherung) oder lässt es per Trailer transportieren.

Unterm Strich: Für Standardmodelle, die ohnehin im deutschen Handel stehen, lohnt der Aufwand selten. Interessant wird der Korea-Import bei allem, was es hier nicht oder kaum gibt: Genesis-Modelle nach dem Rückzug aus dem Direktvertrieb, koreanische Topausstattungen, junge Gebrauchte mit dokumentierter Historie aus einem Markt mit milden Wintern und ohne Streusalz. Wer dort kauft, den Präferenznachweis sichert und die Nebenkosten von Anfang an mitrechnet, bekommt Fahrzeuge, um die ihn der lokale Markt beneidet. Wer nur den günstigen Kaufpreis sieht, bekommt eine teure Lektion in Zollrecht.