Wie importiert man ein Fahrzeug aus Japan? Über ein lizenziertes Auktionshaus per Import-Agent kaufen, per RoRo-Schiff verschiffen (ab rund 1.400 Euro, sechs bis acht Wochen), beim Ankunftszoll 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer zahlen, Zoll entfällt seit Februar 2026 mit Präferenznachweis, und über die Einzelbegutachtung nach §21 StVZO zulassen. Gesamtdauer: zehn bis vierzehn Wochen.

Japan ist für Importeure ein Sonderfall unter den Beschaffungsmärkten. Nirgendwo sonst gibt es einen derart durchorganisierten Gebrauchtwagen-Großhandel: Über hundert Auktionshäuser schlagen jede Woche zehntausende Fahrzeuge um, jedes mit standardisiertem Zustandsbericht. Dazu kommt die Shaken-Kultur, die strenge und teure japanische Hauptuntersuchung sorgt dafür, dass viele Halter ihre Fahrzeuge früh und in gepflegtem Zustand abgeben. Das Ergebnis: junge Gebrauchte mit niedrigen Laufleistungen und eine JDM-Nische, für die Sammler weltweit anstehen.

Schritt 1: Auktion statt Autohaus

Der Einzelkauf vom japanischen Händler ist möglich, aber unüblich. Etwa 90 Prozent der Exportfahrzeuge laufen über Auktionen wie USS, TAA oder JU. Der Zugang ist lizenzierten Händlern vorbehalten; als ausländischer Käufer brauchen Sie deshalb einen Import-Agenten, der in Ihrem Auftrag bietet. Der Agent kostet 300 bis 800 Euro oder drei bis fünf Prozent vom Zuschlag und liefert dafür den Mehrwert: Zugriff auf die Auktionsdatenbanken samt Preishistorie und die Übersetzung des Auction Sheets.

Dieses Auction Sheet ist Ihr wichtigstes Dokument. Es enthält die Gesamtnote (1 bis 5, dazu S für neuwertig), getrennte Noten für Innen und Außen sowie eine Schadenskizze mit Kürzeln für jede Delle und jede Reparatur. Der Haken steckt im Detail: Ein „R" auf dem Sheet bedeutet reparierten Unfallschaden, und drückt den Wiederverkaufswert in Europa deutlich stärker als in Japan. Meine Praxisregel: Note 4 oder besser, kein R-Vermerk, Laufleistung plausibel zur Shaken-Historie. Wer bei der Note spart, spart am falschen Ende.

Schritt 2: Export und Verschiffung

Nach dem Zuschlag meldet der Agent das Fahrzeug ab und beantragt das Export Certificate, die japanische Exportbescheinigung, aus der später auch die Erstzulassung und Laufleistung hervorgehen. Für die Seefracht ist RoRo der Standard: ab etwa 1.400 Euro von Yokohama oder Nagoya nach Bremerhaven, Stand Anfang 2026, Laufzeit sechs bis acht Wochen über den Suezkanal. Containerverschiffung kostet 2.200 bis 3.200 Euro und lohnt bei hochwertigen Sammlerfahrzeugen, beim 40 Jahre alten Skyline will man keine 12.000 Seemeilen offenes Deck riskieren, auch wenn RoRo-Schiffe streng genommen geschlossene Garagen sind.

Schritt 3: Verzollung, neue Lage seit Februar 2026

Beim Ankunftszoll wird das Fahrzeug elektronisch über ATLAS angemeldet. Die gute Nachricht: Das EU-Japan-Wirtschaftspartnerschaftsabkommen hat den Pkw-Zoll von ursprünglich 10 Prozent in Jahresschritten abgebaut, und seit dem 1. Februar 2026 ist er vollständig entfallen. Voraussetzung ist auch hier ein Präferenznachweis, entweder eine Ursprungserklärung des japanischen Ausführers oder, eine Besonderheit dieses Abkommens, die „Gewissheit des Einführers": Sie können die Präferenz auf Basis eigener Belege zum japanischen Ursprung beantragen, etwa über die Fahrgestellnummer und Herstellerdokumente. Ohne jeden Nachweis bleibt es beim Drittlandssatz von 10 Prozent.

Die Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent auf Kaufpreis plus Fracht (plus etwaigen Zoll) fällt dagegen immer an. Bei einem Auktionskauf für 14.000 Euro mit 1.400 Euro Fracht sind das 2.926 Euro, zahlbar sofort bei der Abfertigung, bevor das Fahrzeug den Hafen verlässt.

Der Prozess im Überblick

Schritt

Dauer

Kosten (typisch)

Zuständig

Auktionskauf inkl. Agent

1–3 Wochen

Zuschlag + 300–800 €

Import-Agent Japan

Abmeldung, Export Certificate, Hafen

1–2 Wochen

400–700 €

Agent / Spedition

Seefracht RoRo Yokohama–Bremerhaven

6–8 Wochen

ab 1.400 €

Reederei

Verzollung (ATLAS, EUSt 19 %)

2–5 Tage

EUSt + 80–200 € Deklarant

Zollamt / Deklarant

Datenbestätigung + §21-Begutachtung

1–3 Wochen

1.500–4.000 €

KBA / Technischer Dienst

Zulassung mit Kennzeichen

1–3 Tage

150–250 €

Zulassungsstelle

Die Spanne bei der Begutachtung erklärt sich fast vollständig über die Beleuchtung und die Papierlage. Japanische Fahrzeuge haben Scheinwerfer für Linksverkehr; für die deutsche Zulassung müssen sie auf Rechtsverkehr umgerüstet oder umgestellt werden. Bei Modellen mit europäischem Schwestermodell kostet das ein Ersatzteil, bei reinen JDM-Modellen mitunter eine Sonderanfertigung samt Lichtgutachten.

Schritt 4: Einzelbegutachtung und Zulassung

Ohne EU-Typgenehmigung führt der Weg über die Begutachtung nach §21 StVZO bei TÜV, DEKRA oder GTÜ. Vorher besorgen Sie die Datenbestätigung des Herstellers oder des Kraftfahrt-Bundesamts, bei japanischen Herstellern mit deutscher Vertretung meist unproblematisch, bei reinen JDM-Modellen der zeitkritische Pfad. Der Prüfer nimmt das komplette Fahrzeug ab: Beleuchtung, Abgasverhalten, Geräusch, Reifen-Felgen-Kombination, Tacho in km/h. Rechtslenkung ist ausdrücklich kein Hindernis. Mit dem Gutachten stellt die Zulassungsstelle die Zulassungsbescheinigung aus; für Fahrten zum Prüfstandort nutzen Sie ein Kurzzeitkennzeichen für rund 100 bis 130 Euro inklusive eVB.

Bei Klassikern ab 30 Jahren lohnt der Blick aufs H-Kennzeichen: Das Vollgutachten nach §23 StVZO kostet 200 bis 400 Euro mehr, bringt aber pauschale Kfz-Steuer von 191,73 Euro im Jahr und günstige Oldtimer-Tarife in der Versicherung. Für einen 1995er Skyline GT-R rechnet sich das ab dem ersten Jahr.

Unterhalt: Ersatzteile, Versicherung, Wartung

Ein Punkt, der in der Kaufeuphorie gern untergeht: Der Import ist der billigste Teil der Beziehung. Bei Modellen mit europäischem Schwestermodell, Land Cruiser, Supra, Impreza, ist die Teileversorgung unkritisch, viele Verschleißteile sind identisch. Bei reinen JDM-Modellen bestellen Sie über japanische Teileversender wie Amayama oder Nengun; die Lieferzeit liegt bei ein bis drei Wochen, und auf jede Sendung über 150 Euro fallen erneut Einfuhrabgaben an. Kalkulieren Sie für exotische Modelle einen Teilepuffer von 10 bis 15 Prozent des Fahrzeugwerts über die ersten drei Jahre.

Bei der Versicherung lohnt der Vergleich besonders: Einige Gesellschaften führen JDM-Modelle gar nicht in ihren Typklassenlisten und lehnen ab oder verlangen ein Wertgutachten (150 bis 350 Euro). Spezialversicherer für Import- und Liebhaberfahrzeuge sind oft günstiger als der Allgemeinanbieter mit Zuschlag. Für Werkstattfragen gilt: Eine freie Werkstatt mit Japan-Erfahrung ist Gold wert, die Technik ist selten kompliziert, aber Drehmomentwerte und Servicedaten stehen nun einmal im japanischen Handbuch.

Die häufigsten Fehler beim Japan-Import

Fehler eins: dem Auktionsfoto mehr glauben als dem Sheet. Die Bilder sind klein und schmeichelhaft, die Schadenskizze ist ehrlich. Wer die Kürzel nicht lesen kann, lässt sie sich vom Agenten vollständig übersetzen, jede Position, nicht nur die Gesamtnote.

Fehler zwei: den Wechselkurs ignorieren. Zwischen Zuschlag und Bezahlung liegen Tage, zwischen Kalkulation und Kauf oft Wochen. Der Yen-Kurs hat sich in den vergangenen Jahren um zweistellige Prozentwerte bewegt; bei einem 14.000-Euro-Fahrzeug machen fünf Prozent Kursbewegung 700 Euro aus. Wer knapp kalkuliert, sichert den Kurs beim Geldtransfer ab.

Fehler drei: die Datenbestätigung auf die leichte Schulter nehmen. Für einen Toyota liefert der deutsche Importeur die Daten routiniert. Für einen Mitsuoka oder ein Kei-Car-Sondermodell kann die Beschaffung der technischen Unterlagen der langwierigste Einzelschritt des gesamten Imports werden, im schlimmsten Fall mit Einzelmessungen beim Technischen Dienst, die vierstellig kosten. Vor dem Bieten klären, nicht nach der Ankunft.

Lohnt sich das? Eine ehrliche Einordnung

Rechnen wir das einmal durch: Auktionskauf 14.000 Euro, Agent und Export 1.100 Euro, Fracht 1.400 Euro, EUSt 2.926 Euro, Begutachtung mit Umrüstung 2.200 Euro, Zulassung 200 Euro. Macht 21.826 Euro. Ob das ein Geschäft war, entscheidet allein der europäische Marktpreis des Modells. Bei Fahrzeugen, die es hier ohnehin gibt, meist nicht. Bei JDM-Ikonen, japanischen Sondermodellen und unverbrauchten jungen Gebrauchten mit 30.000 Kilometern Laufleistung dagegen regelmäßig: Dort liegt zwischen Auktionspreis in Yokohama und Marktpreis in Deutschland oft genug Marge für alle Nebenkosten und einen ordentlichen Rest. Der Import aus Japan ist kein Schnäppchenautomat, sondern ein Beschaffungskanal für das, was der hiesige Markt nicht hergibt. Genau dann, und nur dann, ist er sein Geld wert.

Wenn Sie zum ersten Mal importieren: Fangen Sie mit einem Fahrzeug an, dessen Modellfamilie in Europa bekannt ist. Die Begutachtung läuft glatter, die Teileversorgung ist gesichert, und die Fehler, die Sie trotzdem machen werden, kosten dreistellig statt vierstellig. Das exotische Traumauto läuft Ihnen bei der nächsten Auktion wieder über den Weg, die Häuser in Yokohama versteigern schließlich jede Woche aufs Neue.