Die Kernthese: Wer auf die Rückkehr der Gebrauchtwagenpreise auf das Niveau von vor 2020 wartet, wartet auf einen Markt, den es nicht mehr gibt. Das Preisniveau hat sich strukturell nach oben verschoben, und die Gründe stehen im Fahrzeugbestand, nicht in den Schlagzeilen.

Der Blick in die Jahrgangsstatistik

Ein Gebrauchtwagenmarkt lebt von dem, was ihm die Neuwagenjahre zuvor hineingegeben haben. Genau da liegt das Problem: Die Neuzulassungsjahrgänge der frühen Zwanzigerjahre fielen in Deutschland um rund ein Viertel dünner aus als die Jahre davor. Die KBA-Reihen zeigen den Einbruch deutlich. Diese fehlenden Fahrzeuge fehlen dem Markt heute dort, wo die Nachfrage am größten ist: bei den drei bis sechs Jahre alten Gebrauchten mit gehobener Ausstattung, dem klassischen Zweitbesitzer-Segment.

Dazu kommen zwei Verhaltenseffekte. Halter fahren ihre Fahrzeuge länger; das Durchschnittsalter des Bestands steigt seit Jahren und liegt inzwischen jenseits der zehn Jahre. Und gewerbliche Flotten, früher der zuverlässigste Nachschublieferant für junge Gebrauchte, haben ihre Zyklen gestreckt. Weniger Zulauf, längere Haltedauern, stabile Nachfrage: Diese Kombination trägt das Preisniveau, unabhängig von der jeweiligen Konjunkturlage.

Was das für Käufer und Importeure heißt

Hinzu kommt ein Struktureffekt auf der Angebotsseite: Der Anteil junger Gebrauchter unter vier Jahren am Gesamtangebot ist gesunken, während ältere Fahrzeuge mit höheren Laufleistungen einen wachsenden Teil der Inserate stellen. Das verschiebt die Durchschnittspreise zusätzlich, wer heute die Schlagzeile „Gebrauchtwagen wieder teurer" liest, liest zum Teil schlicht eine veränderte Angebotsmischung.

Für private Käufer ist die unbequeme Konsequenz: Warten ist keine Strategie. Preisrückgänge gibt es segmentweise, bei Dieseln bestimmter Normen, bei überzähligen E-Erstlingsmodellen, aber nicht als breite Bewegung zurück zur alten Normalität. Wer ein konkretes Fahrzeug braucht, kauft nach Zustand und Einzelpreis, nicht nach Markthoffnung.

Für Importeure ist dieselbe Lage eine Standortbestimmung ihres Geschäftsmodells: Je höher das heimische Preisniveau, desto größer der Spielraum, den eine Beschaffung in Korea oder Japan lässt. Die Grundrechnungen dazu stehen in unseren Ratgebern zum Korea-Import und zum Japan-ImportDie Marktnotiz als Merksatz: Nicht der Importweg ist teurer geworden, der Inlandskauf ist es.