Die Kernthese: In jeder Importkalkulation steckt eine Position, die auf keiner Rechnung ausgewiesen wird: der Wechselkurs. Won und Yen bewegen sich gegenüber dem Euro regelmäßig um drei bis fünf Prozent binnen weniger Monate, mehr, als die meisten Gebührenposten des gesamten Imports zusammen ausmachen.
Der doppelte Hebel
Rechnen wir das einmal durch: Ein Fahrzeug für umgerechnet 25.000 Euro verteuert sich bei einer Kursbewegung von vier Prozent um 1.000 Euro, noch bevor ein einziger Container bewegt wurde. Und der Effekt bleibt nicht beim Kaufpreis stehen. Da der Zollwert in Euro ermittelt wird, wachsen mit dem Kaufpreis auch die Bemessungsgrundlagen für Zoll und Einfuhrumsatzsteuer mit; beim Japan-Import macht der Steuereffekt aus 1.000 Euro Kursbewegung rund 1.300 Euro Gesamtwirkung. Der Zoll rechnet dabei mit eigenen, periodisch festgesetzten Umrechnungskursen, nicht mit dem Kurs Ihrer Bank vom Überweisungstag.
Die gute Nachricht: Der Hebel wirkt in beide Richtungen. Ein schwacher Won hat Korea-Importe in manchen Phasen um mehrere hundert Euro verbilligt, ganz ohne Verhandlungsgeschick. Wer die Kalkulationen aus unseren Länder-Ratgebern zu Korea und Japan nachrechnet, sollte den Kurs vom eigenen Kaufzeitpunkt einsetzen, nicht den aus dem Artikel.
Risiko begrenzen, ohne Devisenhändler zu werden
Für den privaten Importeur genügen drei Regeln. Erstens: zeitnah zahlen. Wer den Kaufpreis nach Vertragsschluss wochenlang liegen lässt, um auf einen besseren Kurs zu warten, betreibt Spekulation mit dem Budget eines Autokaufs, das geht öfter schief als gut. Zweitens: Überweisungskosten vergleichen; zwischen Hausbank und spezialisierten Auslandszahlungsdiensten liegen bei 25.000 Euro schnell 200 bis 400 Euro Kursaufschlag und Spesen. Drittens, für Händler und größere Summen: Kurssicherung per Termingeschäft, die Kosten von wenigen Zehntelprozent sind bei mehreren Fahrzeugen pro Jahr gut angelegt.
Die Marktnotiz als Merksatz: Der Wechselkurs entscheidet nicht, ob sich ein Import lohnt. Aber er entscheidet regelmäßig, ob die Kalkulation am Ende so aussieht wie am Anfang, und das hat man zu einem guten Teil selbst in der Hand.


